Was heißt denn „Öffentlichkeit“
Laut http://de.wiktionary.org/wiki/%C3%96ffentlichkeit:
[1] die breite Masse der Leute
[2] Zustand des frei zugänglich Seins
In letzter Zeit treffe ich immer wieder auf verschiedene Deutungen von „öffentlich“.
So wird vielfach empfohlen, in den Social Communities die Einstellungen der Privatsphäre möglichst „eng“ zu setzen. Das bedeutet, nur Freunde (und hier sind dann meist die rein virtuellen Freunde gemeint) sollen die jeweilige Veröffentlichung lesen können.
Dies ist sicherlich ein richtiger Ansatz und eine erste Möglichkeit, eine Mitteilung nur einem kleinen Kreis an Öffentlichkeit bekannt zu geben. – aber auch sehr trügerisch. Es gibt keinerlei Garantie und auch keine technischen Möglichkeiten, dass einer der virtuellen Freunde diese Nachricht/Foto nicht jetzt oder in ferner Zukunft erneut veröffentlicht.
Da der Nutzer sich aber gerade für eine Veröffentlichung entschieden hat – sonst würde sich das Problem ja gar nicht stellen – ist die Frage, ob eine Veröffentlichung in Stufen generell möglich ist.
Ich meine nein.
Technisch mag man zwar ein paar erste Grenzen ziehen können, dass die Nachricht/das Foto nur von virtuellen „Freunden“ gelesen werden kann. Ab diesem Zeitpunkt aber ist die technische Einschränkung aufgehoben und ich muss darauf vertrauen, dass meine „Freunde“ jetzt und in aller Zukunft diese Information nicht weiter veröffentlichen oder in einen ganz anderen Kontext bringen.
Das kann einen auch durchaus noch treffen, wenn Bilder zum Beispiel auf Plattformen, die darauf angelegt sind, alte Schulfreunde wieder zu finden und Klassentreffen zu organisieren, veröffentlicht werden. Dabei handelt es sich evtl. um Aufnahmen, die vor dem Internet entstanden sind und nun in diesem veröffentlicht werden. Ja, es kann sogar sein, dass es sich bei der Veröffentlichung um einen Abdruck der Schüler(Abi)Zeitung von vor einigen Jahrzehnten handelt, die nun plötzlich im Internet re-veröffentlicht wird – das kann durchaus ein Problem sein/werden.
Das Internet hat Raum-Zeit- Grenzen aufgehoben. Auf der einen Seite trifft man bei facebook Freunde, die man seit über 30 Jahren nicht gesehen hat und die mittlerweile auf der anderen Seite des Globus wohnen. Das wäre ohne Internet und globale Social Communities nicht möglich. Auf der anderen Seite sind sämtliche Informationen, die man selbst (oder jemand anderes) im Internet veröffentlicht, weltweit und für immer verfügbar.
Besser wäre also, von vorneherein alle Daten als komplett öffentlich einzustellen. Dann gilt es zu überlegen, welche Informationen ich auf welchem Wege verbreiten (lassen) möchte.
Hätten alle Communities die Einstellung „Alles ist immer öffentlich“ würden sich die Nutzer sicherlich wesentlich mehr Gedanken über die Veröffentlichung machen.
Sicherlich würden dann einige Datenschützer „aufschreien“. Hier sei der Hinweis auf die „informationelle Selbstbestimmung“ erlaubt. Diese schließt eben auch die bewusste und freiwillige Veröffentlichung mit ein. Wie viele Daten der Betroffene freiwillig preisgeben möchte, muss dieser selbst entscheiden. Würde dies der Datenschützer pauschal übernehmen, wäre dies Bevormundung, würde der Datenschützer die Möglichkeit im Vorhinein ausschließen, wäre es nahe an der Zensur.
Öffentlich ist also ein absoluter Begriff. Ebenso wie etwas nicht halbtot oder halblebendig sein kann, ist eine Veröffentlichung nicht absolut einschränkbar.
Ich für mich nutze es so, dass ALLE Informationen die ich in meine Profile einstelle, für JEDEN sichtbar sind. Auch in dem Bewusstsein, dass diese Information auch in Zukunft abrufbar ist.
Es gilt eben zu überlegen BEVOR ich eine Veröffentlichung tätige. Das ist auch ein Teil des Erziehungsauftrages, wenn Schulen und/oder Eltern ihren Kindern den Zugang zum Internet ermöglichen. Der Umgang mit den eigenen Daten muss gelernt werden. Hierbei ist Datenschutz genauso wichtig wie der bewusste Umgang mit der Freiheit Informationen/Meinungen zu veröffentlichen.
Bleibt die Frage wann etwas „Öffentlich“ ist. Wie hoch muss bspw. ein Sichtschutz sein, der ein Grundstück umgibt, um dieses als „nicht-öffentlich“ zu klassifizieren?
Für jede Information die Veröffentlicht wird gilt das, was der rosarote Panther schon früher sagte: “Heute ist nicht aller Tage ich komm’ wieder keine Frage”