Alle Welt berichtet scheinbar über einen umgefallenen Blumenkübel. Auch mich erreichte gestern eine spontane Interviewanfrage von Sat1.

Das veranlasst mich nun doch, kurz noch einen kleinen Eintrag zu diesem „Phänomen“ zu schreiben.

So wird, genaugenommen, vielfach gar nicht das ursprüngliche Ereignis, der umgestoßene Blumenkübel, sondern die Verbreitung der Nachricht thematisiert.

Wie  kommt es dazu? Meiner Meinung nach verbindet sich der Lawineneffekt mit dem Herdentrieb. Zuerst wird eine Nachricht veröffentlicht. Der Inhalt ist vielleicht durchaus belanglos. Im web2.0 kann eine solche Nachricht mit nur einem Klick weitergereicht (retweetet, geteilt, weitergemailt, weitergesagt, …) werden. Die Hemmschwelle dies zu tun ist bei einer belanglosen Nachricht weitaus geringer als bei einer Meldung über die man in eine bestimmte (Meinungs)richtung gedrängt werden könnte.

Trifft diese Meldung nun auf viele Kontakte die bereit sind die Meldung weiterzugeben, tritt der Lawineneffekt ein. Dazu eine einfache Rechnung:

Wenn im Schnitt pro Kontakt dreihundert weitere Kontakt erreicht werden können (Follower, Freunde,…) und man von einer Quote von 5% an „Weitersagern“ ausgeht sind dies im ersten Schritt schon 15 Kontakt welche die Meldung an jeweils 300 Kontakte (also insgesamt 4.500 Kontakte) weitergeben. Im zweiten Schritt (welcher für diese eigentlich wieder der erste ist!) werden also 5% der 4.500 Kontakte die Nachricht an Ihre jeweils 300 Kontakte weitergeben (5% von 4.500 sind 225 Kontakte mal jeweils 300 Kontakte ergibt 67.500 Kontakte). Wenn nun auch diese die Nachricht weitersagen (wiederum „nur“ 5%) können schon innerhalb der ersten Minuten über eine Million Personen die Nachricht erhalten (5% von 67.500 sind 3.375 Kontakte mit jeweils 300 Kontakten ergibt 1.012.500).

Bei der Nachricht über den Blumenkübel kam nun hinzu, dass die enorme Verbreitung der Nachricht selbst zur Nachricht wurde. Ab jetzt setzt der Herdentrieb ein und es werden weitere Meldungen und Ereignisse zum Ursprungsereignis generiert. So gibt es Videos, Lieder und Berichte. Die klassischen Medien haben dieses Ereignis nun sicherlich auch aufgrund des Sommerlochs aufgenommen und lösen selbst eine Art Zugzwang aus. Wenn A berichtet muss auch B berichten. 

Kann man so ein Ereignis als eigene virale Marketingkampagne planen oder nutzen?

So ein Ereignis und der nachfolgende Effekt sind schwer zu planen und noch schwieriger zu steuern. Es kann, gerade bei sehr unprofessionellem Vorgehen, sogar einen erheblichen negativen Effekt haben. Besser ist es auf ein solches Ereignis schnell zu reagieren. Dies hat ein Hersteller von Blumenkübeln gemacht. Dieser hat neue Blumenkübel gespendet und geliefert. Ebenso wie eine Leihwagenfirma welche Ihr Anzeigenmotiv mit einem Blumenkübel und einer Stellenanzeige für eine Social-Media-ManagerIn versehen hat. Beides ist im web2.0 und auch in den klassischen Medien rasant verbreitet worden.

Hierbei ist es besonders wichtig schnell und kompetent zu handeln. Ein solches Vorgehen muss auf kurzen Entscheidungswegen koordiniert werden. Die Kompetenzen und Möglichkeiten müssen dazu schon wesentlich vorher  geklärt sein. Das Handeln und die Aussagen müssen authentisch sein und den Humor des gesamten Ereignisses beibehalten.