Privacy-per-default bedeutet, dass die Grundeinstellungen von Produkten und Diensten so zu gestalten sind, dass so wenig personenbezogene Daten wie möglich erhoben oder verarbeitet werden.

Der Grundgedanke bei facebook liegt in der Verteilung von Informationen über die Plattform. “Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen.” und darunter zeigt facebook die weltweiten Verknüpfungen.

Auch bei den Nutzungsbedingungen steht als erstes:

1. Privatsphäre
Deine Privatsphäre ist uns sehr wichtig. In unseren Datenschutzrichtlinien machen wir wichtige Angaben dazu, wie du Facebook zum Teilen von Inhalten mit anderen Nutzern verwenden kannst, und wie wir deine Inhalte und Informationen sammeln und verwenden können. Wir bitten dich, die Datenschutzrichtlinien zu lesen und sie zu verwenden, um fundierte Entscheidungen zu treffen.

Geht man also davon aus, dass die Grundfunktion das veröffentlichen von bewusst ausgewählten persönlichen Informationen ist, so ist die das erstmalige anmelden – denn ohne dies kann ich den Service nicht nutzen – die Aufhebung der ersten gesetzten Datenschutzeinstellung. Das wäre durchaus eine Definition von “Privacy-per-default“.

Zu Recht wird natürlich immer wieder kritisiert, dass facebook neue Funktionen einführt, die dann schon direkt auf aktiviert sind. Das bedeutet in einem aktiven Profil wird die “Privacy-per-default” Einstellung nicht konsequent eingehalten sondern muss vom Benutzer erst konsequent vorgenommen werden.

Ein grundsätzliches Verständnisproblem. Wenn man (wie scheinbar facebook) davon ausgeht, dass jegliche Information über das System mit allen geteilt und veröffentlicht werden kann (da man die standardmäßige Datenschutzeinstellung durch die Anmeldung aufgehoben hat), dann besteht kein Bedarf an weiteren Abstufungen bei den Datenschutzeinstellungen.

Diese immer umfangreicheren Datenschutzerklärungen und Privatsphäre-Einstellungen kamen erst durch die Forderungen nach mehr Datenschutz (und der gleichzeitigen Bemängelung des Umfangs der selbigen). Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Es braucht ein umdenken. Die Privatsphäre-Einstellungen bei facebook (und anderen Netzwerken) müssten abgeschafft werden und der mündiger Nutzer muss sich im Vorfeld Gedanken machen ob diese Information veröffentlicht werden soll. Das Wie, an Wen und in welchem späteren Zusammenhang kann niemand steuern. Auch nicht durch noch so aufwändige Privatsphäre-Einstellungen. Veröffentlicht ist veröffentlicht – geteilt ist geteilt.

Insofern kann es nur die Einstellungen geben „facebook ja” oder “facebook nein”. Hierbei steht facebook derzeit einfach mal als Begriff für alle anderen und weiteren Netzwerke.

“Privacy-per-default” heißt also einfach und simpel “mitmachen” oder “nicht mitmachen”.

Ich freue mich auf Diskussionen, Anregungen und Anmerkungen….