In den letzten Wochen habe ich viele  Workshops und Beratungen zum Thema Datenschutz und/oder Internetmarketing gehalten. Ich war auf vielen Veranstaltungen zum Thema Datenschutz oder zum Thema Internetmarketing, Schwerpunkt jeweils Social Media.

Es gibt gravierende Unterschiede bei der Ansicht zu Datenschutz in sozialen Netzwerken oder deren grundsätzlichen Nutzen.

Auf der einen Seite HR, Marketing, Vertrieb und PR welche die enormen Vorteile dieser neuen und für alle offenen Form der Kommunikation zu schätzen wissen. Auf der anderen Seite die Datenschutzbeauftragten, die Rechtsabteilung und zuständigen für Compliance.

Hier werden die Forderungen eines über 30 Jahre alten Gesetzes versucht anzuwenden.

Dabei wurden die Möglichkeiten einer offenen und freien Kommunikation meiner Meinung nach schon vor über 30 Jahren gefordert. Diese Überlegungen von vor 30 Jahren, als noch niemand an Web 2.0 dachte, können/müssen nun umgesetzt werden. Datenschutz muss sich weiterentwickeln. Nicht verschärfend sondern aufklärend. Um die Möglichkeiten der informationellen Selbstbestimmung nicht nur einzuschränken sondern auch zu ermöglichen.

Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung erlaubt es jedem selbst zu entscheiden wer welche  Daten erhalten darf, oder eben auch nicht.

Erst seit einigen Jahren gibt es für Jedermann die Möglichkeit, mit einfachen Mitteln, die große Öffentlichkeit zu erreichen.

Diese Möglichkeit seine eigene Meinung frei veröffentlichen zu können sollte auch eine Aufgabe der Datenschützer sein. So zumindest deute ich die Aussage des BGH auf dessen Urteil sich heute noch viele berufen.

Schon Bertolt Brecht sagte in einer der ersten Radiotheorien:

„Um nun positiv zu werden: das heißt, um das Positive am Rundfunk aufzustöbern; ein Vorschlag zur Umfunktionierung des Rundfunks: Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn auch in Beziehung zu setzen.“ 

 

Aber natürlich gibt es auch Gefahren. Und natürlich muss es autarke Stellen geben, welche die Anforderungen prüfen. Bspw. ob eine Einwilligung freiwillig gegeben wurde, ob diese verständlich erklärt wurde und sich das verarbeitende Unternehmen auch an evtl. Einschränkungen hält.

Aber wie weit darf einen Aufsichtsbehörde hier den mündigen Bürger bevormunden oder vor sich selbst schützen?

Wann und wie schnell wird aus Schutz Bevormundung? Wann wird aus Kommunikationseinschränkung Zensur?

Eine freue Gesellschaft muss es ertragen, dass sich jeder äußern  kann – und sich im Zweifel selbst zum Deppen macht.

 

Miteinander reden – gemeinsam aufklären.

Ohne Polemik aber mit Verständnis – füreinander.