Grundlage des gesamten Datenschutzrechtes ist das Grundrecht auf Datenschutz. Im Grundgesetz wird es gemäß dem berühmten Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht abgeleitet. Das Bundesverfassungsgericht spricht insoweit vom “Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung”, das in Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG verankert ist.

Es geht insbesondere um die Selbstbestimmung.

Jeder kann, darf und soll selbst über seine Daten, genauer gesagt über seine Persönlichkeit bestimmen können.

Aber sollte es nicht, auch im Recht auf Datenschutz, Einschränkungen geben, um ein gemeinsames und gesellschaftliches Miteinander zu ermöglichen? Geht nicht auch hier Gemeinwohl vor Einzelwohl?

Schon heute gibt es Einschränkungen, wo in meine Grundrechte eingegriffen werden kann (Wohnungsdurchsuchung, Haft, …).

Auch in anderen Bereichen muss ich mich an Vorgaben halten und kann mich nicht frei entfalten.

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Muss/Soll man sich an alle Regeln halten?

Ich kann nicht einfach unbekleidet durch die Stadt gehen, ohne Führerschein fahren oder ein nicht verkehrstaugliches Auto nutzen. Ich kann nicht einfach frei entscheiden, dass ich mich alkoholisiert an das Steuer eines Autos setze (dann gefährde ich auch Andere), mich nicht anzuschnallen oder ohne Helm Motorrad zu fahren (obwohl ich nur mich selbst gefährde), jedoch aufgrund meines Verhaltens das Sozialsystem belaste, falls ich gepflegt werden müsste.
Hier erfolgen also Eingriffe in meine persönliche Freiheit, für die es einen gesellschaftlichen Konsens zu geben scheint.
Die Diskussion wird immer wieder geführt. Helmpflicht für Radfahrer oder eine Bargeldobergrenze.

Auch datenschutzrechtlich müssen solche Eingriffe (Zugriffe auf meine persönlichen Daten) diskutiert werden.
Aufgrund der technischen und gesellschaftlichen Entwicklung müssen diese immer wieder diskutiert und überprüft werden.

Wie kann es bspw. sein, dass Mautdaten nicht genutzt werden dürfen, um Kapitalverbrechen aufzuklären?
Wo ist die Grenze bei der Sicherheit? Warum nicht Fitnesstracker nutzen, um Stress bei Piloten oder Operateuren zu messen. Oder bei Feuerwehrleuten, um diese selbst zu schützen. Technische Einrichtungen, welche Züge automatisch stoppen, gibt es schon. Auch weisen Autos den Fahrer automatisch auf Müdigkeitserscheinungen hin.

Wo also hört das Grundrecht auf Datenschutz auf, und wo fängt das Recht der Verarbeitung (meiner) persönlicher Daten aufgrund des Gemeinwohls an? Welche Einschränkungen ist man persönlich bereit hinzunehmen, und zu welchem Preis?
Was ist angemessen, und welche Daten sind als quasi öffentlich zu sehen?
Ist nicht auch ein Recht auf Datennutzung gegeben, wenn ich diese Daten (freiwillig) erzeuge und „liegenlasse“?
Denn auch die Unternehmen und die Wirtschaft haben ein Recht auf Datennutzung von Daten, welche durch eigene Produkte erzeugt werden.
Die reine Möglichkeit einen eventuellen Personenbezug herstellen zu können, reicht schon aus, um eine Datenverarbeitung (auch in der kleinsten Form) zu verhindern.
Müsste es für solche Daten (nicht sensibel; nicht direkt auf eine Person bezogen) nicht ein Recht auf Verwertung geben? Vielleicht in Kombination mit einem „Recht auf Verwertung bis zum Widerspruch“?
Das könnte bspw. die IP Adresse sein, oder auch die technischen Informationen des Computers, oder eines Autos. Diese Daten dürften dann genutzt, analysiert und verarbeitet werden. Wirksam und prüfbar müsste dann ein direkter Personenbezug verhindert werden.

Datenschutz und insbesondere Datenschützer müssen sich auf solche Diskussionen einlassen, um als wertvolle und wichtige Ratgeber – nicht aber als Querulanten und Verhinderer – wahrgenommen zu werden.
Es geht nicht um pauschales Zulassen, sondern um ein vernünftiges und bewusstes Weiterentwickeln mit einem Grundrecht auf Datenschutz.

Was meinen Sie?
Gibt es ein absolutes Grundrecht auf Datenschutz?
Gibt es Datenschutz überhaupt noch, oder ist das bloße Theorie?